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Zinskommentar November 2020 – Die Bauzinsen bleiben durch die Corona-Pandemie weiterhin niedrig

baufinanzierung marktlage

Am 23. November 2020 wurde durch die Mainzer Pharmafirma BioNtech und ihr US-Partner Pfizer Inc. ein Durchbruch bei der Impfstoff-Entwicklung gegen den Corona-Virus vermeldet und dies sorgte an den Wertpapierbörsen für ein weltweites Kursfeuerwerk. So erlebte der DAX Index einen der stärksten Anstiege der letzten 50 Jahre und die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe hatte Anfang November mit -0,64 Prozent zunächst den tiefsten Stand seit Mitte März 2020 erreicht. Nach der Impfstoffmeldung konnte die Rendite kurzfristig auf -0,48 Prozent steigen, sank aber nur wenige Tage später genauso schnell wieder ab. Allerdings hatte dieser leichte und zeitlich begrenzte Anstieg kaum Auswirkungen auf die Bauzinsen, so dass man sagen kann, dass der minimale Zinsanstieg nach der BioNtech-Impfstoffmeldung sich schnell wieder relativiert hat. Dadurch verharren die Bauzinsen weiterhin auf einem sehr niedrigen Zinsniveau und ein Aufwärtstrend ist derzeit nicht zu sehen. Dies spiegelt sich auch beim Top-Zins für 10-jährige Hypothekendarlehen wieder, der unverändert bei 0,41 Prozent liegt. Auch längere Zinsbindungen bleiben mit 0,60 Prozent bei einer 15-jährigen Zinsfestschreibung und der 20-jährigen Zinsbindung mit 0,87 Prozent weiterhin günstig.

Die EZB ist bereit für weitere Maßnahmen, die durch die zweite Welle der Corona-Pandemie notwendig werden
Für Anleger, die auf eine rasche Erholung der Wirtschaft oder gar einen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik nach der Impfstoff-Meldung spekuliert hatten, wurden spätestens auf der internationalen Notenbank-Konferenz am 11. und 12. November 2020 auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. So warnte die EZB-Präsidentin Christina Lagarde vor einer erneuten Rezession in den EU-Staaten. Denn niemand kann einschätzen, wie viele Infektionswellen die Welt noch bis zu einer allgemeinen Verbreitung des Impfstoffes verkraften müsse. Deshalb gehen Zins-Experten davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) auch im kommenden Jahr massiv in die Märkte eingreifen wird und dadurch das Zinsniveau niedrig bleibt. Denn die Währungshüter hatten die Verfügbarkeit eines Impfstoffes für 2021 ohnehin einkalkuliert. Die positiven Meldungen von BioNTech und Moderna haben daher kaum eine Auswirkung auf die geldpolitischen Entscheidungen der Europäische Zentralbank (EZB). Denn viele Fragen zur Verfügbarkeit und Verteilung des Impfstoffes sind zudem ungeklärt, wodurch die Unsicherheit bleibt hoch bleibt.

Zinsentwicklung über die fünf letzten Jahre
Fachleute halten es deshalb für wahrscheinlich, dass sich die EZB auf ihrer Dezember-Sitzung deutlich zu weiteren Maßnahmen positionieren wird. Denn die Währungshüter werden alles unternehmen, um sich gegen die Corona-Krise zu stemmen und möglicherweise bereits die Ausweitung des Notfallprogramms PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) beschließen. Selbst wenn ein Ende der Corona-Pandemie abzusehen ist, bleibt es dabei, dass sich viele Staaten aufgrund ihrer Rekordschuldenstände deutlich höhere Zinsen kaum leisten können. Ein abrupter Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik ist deshalb so gut wie ausgeschlossen.

Die US-Wahlen sorgen für einen neuen Präsidenten – Das ändert sich unter Joe Biden
Mit der Abwahl Donald Trumps im Januar 2021 ist eines klar, dass ein Protektionist das Weiße Haus verlassen wird, der den internationalen Handelsbeziehungen während seiner Amtszeit schwere Schäden zugefügt hat. Wie sich diese Situation unter Joe Biden verändert und ob sich die transatlantischen Beziehungen wieder erholen, bleibt allerdings weiter unklar. Auch der nachfolgende Präsident Joe Biden dürfte mit seiner „buy american“-Ausrichtung weiter eine harte Handelsstrategie verfolgen.

Dennoch sehen Experten durch den Präsidentenwechsel klare Vorteile für die EU. Auch wenn unter Joe Biden sehr wahrscheinlich weiterhin „America first“ gilt, wird doch der Umgangston wieder partnerschaftlicher werden und die USA werden sich unter Joe Biden wieder an internationale Handelsgesetze und Vereinbarungen halten. Dazu kommt, dass sich der Ausgang der US-Wahl auch indirekt positiv auf den Brexit-Ausgang auswirken kann. Denn ein ungeregelter Brexit ist nun unwahrscheinlicher geworden, da Boris Johnson die Rückendeckung von Donald Trump fehlt und Joe Biden sich bereits klar gegen einen „No-Deal-Brexit“ positioniert hat.

Wie es unter dem Präsident Joe Biden tatsächlich weitergeht, hängt allerdings auch noch von den neu zu wählenden Mehrheitsverhältnissen im Senat ab, die sich erst in der Stichwahl im Januar 2021 entscheiden werden. Sollte die republikanische Mehrheit im Senat erhalten bleiben, dann hätte Joe Biden enorme Schwierigkeiten, seine Gesetzesvorhaben durchzubringen. Würde die Stichwahl eine Senatsmehrheit zugunsten der Demokraten ergeben, dann wäre das Regieren für Joe Biden deutlich leichter. Er könnte dann unter anderem ein erneutes Konjunkturpaket leichter umzusetzen. Fachleute gehen allerdings in jedem Fall davon aus, dass Joe Biden der US-Wirtschaft deutlich unter die Arme greifen wird, bis sich die Arbeitslosenquote wieder beim Vorkrisenniveau eingependelt hat. Und auch Europa und vor allem die Exportnation Deutschland, würde von einer Erholung der US-Wirtschaft profitieren, denn die USA bleibt für Deutschland nach wie vor einer der wichtigsten Absatzmärkte.

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Tendenz der Baufinanzierungszinsentwicklung:
kurzfristig: schwankend seitwärts
mittelfristig: schwankend seitwärts
langfristig: schwankend seitwärts

Entwicklung Leitzins, 10-jährige Bundesanleihe und Inflation der letzten fünf Jahre

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