In den vergangenen Wochen ging es wahrlich sehr turbulent zu. Auf dem politischen Parkett, an den Börsen und bei den Baufinanzierungszinsen gab es ĂŒberall jede Menge Bewegung. Wie das eine mit dem anderen zusammenhĂ€ngt, wie der Koalitionsvertrag mit Blick auf den Wohneigentumsmarkt einzuordnen ist oder warum die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) in letzten Sitzung die Zinsen senkte.
Die Entscheidung der EZB ist zweifellos richtig. Ausgehend von der Handelspolitik der US-Regierung sind die AbwĂ€rtsrisiken fĂŒr die Konjunktur gestiegen. Die Aufwertung des Euros zum US-Dollar, zusammen mit der Aussicht, dass ein Teil der chinesischen Exporte sozusagen in Richtung Euroraum umgelenkt wird und hier das GĂŒterangebot erhöht, lĂ€sst erwarten, dass der Preisdruck im Euroraum weiter sinken dĂŒrfte. AuĂerdem sendet die EZB das Signal, dass sie bereit steht, MaĂnahmen gegen die Verunsicherung an den FinanzmĂ€rkten zu ergreifen.
Auf und Ab bei den Baufinanzierungszinsen
Hoch, runter, seitwĂ€rts: Bei den Baufinanzierungszinsen ging es in den vergangenen Wochen Ă€uĂerst volatil zu. Kein Wunder, schlieĂlich hatte der beschlossene Kurswechsel bei den deutschen Staatsfinanzen zunĂ€chst fĂŒr ordentlich Wirbel an den FinanzmĂ€rkten gesorgt. Die Folge: Die Rendite der 10-jĂ€hrigen Bundesanleihe stieg binnen weniger Tage deutlich und damit auch die Baufinanzierungszinsen. Denn die Bauzinsen orientieren sich als langfristige Kapitalmarktzinsen an der Bundesanleiherendite. Die FinanzmĂ€rkte beruhigten sich dann wieder, die Renditen der Bundesanleihe gingen zurĂŒck und folglich auch die Bauzinsen. Als dann Donald Trump die Höhe der nun zunĂ€chst ausgesetzten Zölle veröffentlichte, gab es an den Börsen deutliche Verluste und Investoren suchten vermehrt sichere Anlagen, zu denen auch die deutsche Bundesanleihe gehört.

Ăber die höhere Nachfrage stieg der Kurs der Papiere und die Renditen sanken, was dann auch die Bauzinsen machten. Aktuell nĂ€hern wir uns wieder dem Zinsniveau, welches wir vor der AnkĂŒndigung des Schuldenpakets hatten. Es sind bewegte Zeiten, in denen die Baufinanzierungszinsen eine VolatilitĂ€t aufweisen, was lange nicht mehr so vorhanden war. Blickt man jedoch etwas genauer hin, kann man festzuhalten, dass wir uns nach wie vor in dem von Zinsexperten prognostizierten Zinskorridor von drei bis 3,5 Prozent fĂŒr das erste Halbjahr 2025 bewegen.
Stabile Inflation und weiter Konjunktursorgen
Inmitten der politischen Turbulenzen der vergangenen Wochen ging eines fast unter: Die positive Entwicklung der Inflation. Laut vorlÀufiger Angaben von Eurostat betrug diese im MÀrz 2025 in Deutschland 2,3 Prozent und im Euro-Raum 2,2 Prozent. Damit liegt die Teuerungsrate nahe der Zwei-Prozent-Marke, welche die EuropÀische Zentralbank (EZB) anstrebt. Die Entwicklung zeigt, dass mögliche inflationÀre Tendenzen aufgrund der US-Zollpolitik aktuell nicht im Vordergrund stehen. Die Hauptsorge hierbei gilt vielmehr der Konjunktur: Sie könnte deutlich ausgebremst werden.
Aufgrund der jĂŒngsten Inflationsentwicklung und der Sorge um die Wirtschaftslage ist die Wahrscheinlichkeit fĂŒr eine oder mehrere bevorstehende Zinssenkungen seitens der EZB deutlich gestiegen. Bei der letzten Sitzung der WĂ€hrungshĂŒter am 17. April 2025 wurde daher ein vom Finanzmarkt erwarteter kleiner Zinsschritt von 0,25 Prozentpunkten verkĂŒndet. Die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) wird nun erst einmal die Entwicklung in den kommenden Wochen abwarten. Sollte es beispielsweise einen Deal zwischen den USA und der EU geben, wĂŒrde dies die Ausgangslage fĂŒr weitere Zinsentscheide womöglich verĂ€ndern.
Mit Blick auf die nÀchsten Wochen rechnen Zinsexperten grundsÀtzlich mit einer SeitwÀrtsbewegung, die abhÀngig von der Nachrichtenlage ist, sowie auch mit einer deutlichen Schwankungsbreite. Kurz- bis mittelfristig sollte eine gewisse VolatilitÀt der Bauzinsen in der oberen HÀlfte des prognostizierten Zinsfensters von 3,25 bis 3,5 Prozent liegen.
Koalitionsvertrag der designierten Bundesregierung mit Kritik und Chancen
Wohnungsbau-Turbo, BĂŒrokratieabbau, StĂ€rkung der Wohneigentumsbildung â im Koalitionsvertrag, den CDU/CSU und SPD Anfang April 2024 vorstellten, finden sich verschiedene Impulse, die BautrĂ€ger, Kaufinteressierte sowie Bauherren gleichermaĂen begrĂŒĂen dĂŒrften. Doch sind sie auch weitreichend genug? Es stecken viele gute Punkte in dem Vertrag, wenngleich abzuwarten bleibt, wieviel davon letztlich umgesetzt wird. Auch in der Vergangenheit mangelte es oftmals nicht an Erkenntnis, sondern vielmehr an der konsequenten Umsetzung entsprechender MaĂnahmen.
Es ist jedoch grundsĂ€tzlich zu begrĂŒĂen, dass die Förderung von Familien beim Eigentumserwerb, steuerliche Erleichterungen bei der Sanierung von Wohnbestand, aber auch die EntbĂŒrokratisierung auf der Agenda der neuen Bundesregierung stehen. Was fehlt, ist laut Fachleuten allerdings eine Entlastung der ImmobilienkĂ€ufer bei den Erwerbsnebenkosten, die hĂ€ufig eine groĂe Herausforderung bei der Eigentumsbildung darstellen. Hier wĂ€re insbesondere eine Reform der Grunderwerbsteuer wĂŒnschenswert. Auch eine flĂ€chendeckende UnterstĂŒtzung beim Bau oder Kauf von Eigentum wĂ€re erstrebenswert gewesen. Zwar signalisiert der Vertrag die richtige Richtung, doch an vielen Stellen bleiben die konkreten AusgestaltungsplĂ€ne noch vage. Die tatsĂ€chliche Umsetzung der versprochenen MaĂnahmen wird entscheidend sein, um das Potenzial des Koalitionsvertrags voll auszuschöpfen.
Baufinanzierungszinsen im April 2025 im Vergleich zum Vormonat
FĂŒr Immobilienfinanzierer hat der Start in den FrĂŒhling keine so guten Nachrichten zur VerfĂŒgung, die Entwicklung der Baufinanzierungszinsen ging krĂ€ftig nach oben. Nach dem leichten RĂŒckgang der Baufinanzierungskonditionen im Vormonat, ist dieser Trend wieder umgeschlagen und es gibt wieder steigende Zinskonditionen. Die Sollzinsen fĂŒr Darlehen mit einer Zinsbindung von 5 Jahren sind dabei auf 3,54 Prozent (Vormonat: 3,28 Prozent) nach oben gegangen. Sie liegen damit weiter ĂŒber den Zinsen fĂŒr Kredite mit einer Zinsbindung von 10 Jahren, die mit 3,30 Prozent (Vormonat: 3,19 Prozent) auch krĂ€ftig nach oben gingen.
Die Zinsen fĂŒr Darlehen mit einer Zinsbindung von 15 Jahren gingen auch stark nach oben und liegen nun bei 3,53 Prozent (Vormonat: 3,37 Prozent). Die Baudarlehen mit einer Zinsbindung von 20 Jahren konnten sich dem allgemeinen AufwĂ€rtstrend gegenĂŒber dem Vormonatsniveau nicht entziehen und sie liegen aktuell bei einem Zinssatz von 3,76 Prozent (Vormonat: 3,52 Prozent).
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Tendenz der Baufinanzierungszinsentwicklung:
kurzfristig: steigend
mittelfristig: schwankend seitwÀrts
langfristig: schwankend seitwÀrts

Externe Quellen:
- Dr. Klein AG
Zinskommentar April 2025 als ePaper lesen
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