Der Zollstreit zwischen den USA und Europa ist neu entfacht. Nachdem Trump angedroht hat, ab August 2025 alle Importe aus Europa mit einem 30-prozentigen Zoll zu belegen, legte die EU ein zweites Paket an Gegenzöllen vor. Dies soll US-Importe im Wert von 72 Milliarden Euro treffen. Die KapitalmĂ€rkte haben den Schlagabtausch relativ gelassen aufgenommen, den gröĂere Schwankungen blieben bislang aus. Das zeigt: Die FinanzmĂ€rkte haben gelernt, dass Trumps Aussagen oft verhandlungstaktisch sind und nicht zwangslĂ€ufig umgesetzt werden.
Gleichzeitig ist auch klar, dass das Börsenjahr 2025 weiterhin ein Jahr der Unsicherheiten bleiben wird. Es muss mit vielen Schwankungen nach unten und oben gerechnet werden. Umso mehr ist ein umsichtiges und vorausschauendes Handeln gefragt, um mit einer abgestimmten Strategie erfolgreich durch das komplexe Marktumfeld zu navigieren.
Entwicklung der AnlagemÀrkte im Juli 2025
Der Juli stand ganz im Zeichen einer RĂŒckkehr des âUS-Exzeptionalismusâ. So sorgten starke Konjunkturdaten, eine solide Berichtssaison und neue Handelsabkommen fĂŒr RĂŒckenwind an den US-FinanzmĂ€rkten. Der Nasdaq-Index erreichte an 14 Handelstagen neue Allzeithochs, was einen Rekordwert darstellt. In Europa hingegen zeigten sich die Börsen verhaltener.
Dies spiegelte sich dann auch bei dem amerikanischen wachstumsorientierten Aktienindizes NASDAQ 100 Index wieder, der erneut einen erneuten Zuwachs von +2,4 Prozent verbuchen konnte. Der substanzorientierte Dow Jones Industrial Average Index lag dagegen mit +0,1 Prozent gegenĂŒber dem Vormonatsniveau nur auf der Nulllinie. Auch der S&P 500 Index reihte sich mit einem kleinen Zuwachs von +2,2 Prozent bei den wichtigen US-Indizes mit in den Börsenaufschwung ein. Er hatte damit gegenĂŒber dem Dow Jones Industrial Average Index wieder ein besseres Ergebnis.
AktienmÀrkte Juli 2025
Die europĂ€ischen AktienmĂ€rkte konnten diesem AufwĂ€rtstrend nur vereinzelt folgen. So konnte der deutsche DAX Index einen kleinen Zuwachs von +0,7 Prozent verbuchen. Beim italienischen FTSE MIB ging es mit +3,0 Prozent dagegen gegenĂŒber dem Vormonat ganz gut nach oben. Der französische CAC 40 Index musste mit +1,4 Prozent gegenĂŒber dem Vormonat dagegen kleinere „Brötchen“ backen. Dagegen konnte sich der britische FTSE 100 Index mit +4,2 Prozent schon mit einem gröĂeren Zuwachs gegenĂŒber anderen MĂ€rkten profilieren.
Auch der spanische IBEX 35 Index konnte einen kleinen Zuwachs +2,9 Prozent erreichen. Der österreichische ATX Index konnte mit +2,1 Prozent gut mithalten. Andere sĂŒdeuropĂ€ische Indizes wie der griechische Athex Composite Share Price Index konnte sogar mit +7,3 âŻProzent zulegen und war damit bei den europĂ€ischen Indizes der Spitzenreiter. Auch der portugiesische PSI20 Index konnte mit +4,0âŻProzent ein bemerkenswertes Ergebnis abliefern.
Die insgesamt schwache Entwicklung bei den europĂ€ischen Werten spiegelte sich natĂŒrlich auch beim Eurostoxx 50 Index wieder, was zu einem moderaten Zuwachs von +0,3 Prozent gegenĂŒber dem Vormonat fĂŒhrte. Auch der marktbreitere Stoxx Europe 600 Index folgte diesem Verlauf und konnte mit +0,9 Prozent einen etwas höheren Zuwachs verbuchen.

In Asien gab es an den wichtigsten MÀrkten hingegen weiter eine generelle positive Entwicklung. So folgte der japanische NIKKEI 225 Index dem amerikanischen AufwÀrtstrends und konnte einen Zuwachs von +1,4 Prozent verzeichnen. Bei den chinesischen Aktienwerten gab es auch wieder eine einheitliche Entwicklung. So konnte der Hang Seng Index mit +2,9 Prozent vom allgemeinen asiatischen Trend profitieren und wieder einen Zuwachs verzeichnen, wobei der Shanghai Composite Index mit +3,3 auch wieder einen guten Zuwachs verbuchen konnte.
Beim weltweiten MSCI World Index hinterlieĂ der allgemein positive Börsentrend auch seine Spuren und konnte mit +3,8 Prozent gegenĂŒber dem Vormonat weiter einen Zuwachs im neuen Jahr ausbauen. Diese Entwicklung wurde trotz der neuerlichen Zollkapriolen der US-Regierung erreicht.
Anleihe- und RohstoffmÀrkte Juli 2025
Der US-Dollar zeigte StĂ€rke und verzeichnete mit +3,2âŻProzent seinen besten Monat seit 2022. FĂŒr europĂ€ische Anleger war dies nach den WĂ€hrungsverlusten im ersten Halbjahr besonders erfreulich. Die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) setzte ein Signal der Vorsicht: PrĂ€sidentin Christine Lagarde bestĂ€tigte, dass der Einlagensatz von zweiâŻProzent vorerst das Ende des aktuellen Zinssenkungszyklus markieren dĂŒrfte. Ein weiteres Detail mit Signalwirkung: Die Renditen von 10-jĂ€hrigen US-Staatsanleihen stiegen im Monatsverlauf um 15 Basispunkte, nachdem PrĂ€sident Trump öffentlich mit der Entlassung von Fed-Chef Jerome Powell spielte â ein VorstoĂ, der letztlich nicht umgesetzt wurde, aber die MĂ€rkte kurzzeitig bewegte.
An den RohstoffmĂ€rkten kam es weiter zu einer Normalisierung an den HandelsplĂ€tzen, was sich beim Ălpreis mit einem ordentlichen Zuwachs von +11,2 Prozent nieder schlĂ€gt. Bei den anderen Industriemetallen sah die Entwicklung ebenfalls wieder besser aus. Kupfer konnte dem AufwĂ€rtstrend nicht folgen und musste mit -2,4 Prozent einen RĂŒckgang verbuchen. Bei Nickel ging es dagegen mit einem Zuwachs von +1,6 Prozent wieder ĂŒber das Vormonatsniveau. Bei Aluminium ging es mit +0,6 Prozent nur leicht gegenĂŒber dem Vormonat nach oben. Beim Goldpreis ging es hingegen mit +3,5 Prozent Zuwachs gegenĂŒber dem Vormonat wieder auf die bisherige WachstumsstraĂe im neuen Jahr.
Die Zölle und die Folgen – Ein Blick in die Zukunft
Zum Ende des ersten Halbjahres im Jahr 2025 soll der Frage nachgegangen werden, wie Zölle die Weltwirtschaft in diesem und in den kommenden Jahren verÀndern werden. Dabei kristallisieren sich 3 Fakten heraus:
- Zölle setzen lÀngerfristige globale Trends in Bewegung oder beschleunigen diese.
- Die Ăra positiver Realzinsen dĂŒrfte sich kurz- und langfristig fortsetzen.
- Globale Diversifizierung wird in dem aktuellen Umfeld noch wichtiger, selbst wenn kĂŒnstliche Intelligenz die Wirtschaft grundlegend verĂ€ndern sollte.
Zölle könnten zur Belastung werden und bestehende Trends beschleunigen
Der Einsatz von Zöllen als politisches Instrument hat die Erwartungen von Experten zu Beginn des Jahres deutlich ĂŒbertroffen. Im Ausblick fĂŒr 2025 wurden angebotsseitige KrĂ€fte und ihre potenziell stagflationĂ€re Wirkung â schwĂ€cheres Wachstum, steigende Preise â in den Vordergrund gestellt. Seitdem haben hohe politische Unsicherheit und die Aussicht auf eine globale KonjunkturabkĂŒhlung die Importe in die Höhe schnellen lassen. Denn um den höheren Zöllen zuvorzukommen, haben zahlreiche Importeure ihre LagerbestĂ€nde ausgebaut.
Diese dynamische Reaktion verzerrt die Konjunkturdaten, weshalb man sehr sorgfĂ€ltig zwischen Signal und Rauschen unterscheiden muss. Aufgrund der umfangreichen vorgezogenen Importe im ersten Quartal liegt der tatsĂ€chliche effektive Zollsatz, also der von den Importeuren tatsĂ€chlich gezahlte gewichtete durchschnittliche Satz, bisher weiterhin deutlich unter 10 Prozent. Dieser âFrontloadingâ-Effekt und die politische Unsicherheit werden jedoch irgendwann nachlassen, weshalb Fachleute davon ausgehen, dass der effektive Zollsatz bis Ende 2025 auf etwa 13 Prozent steigen wird.

Zölle und die damit einhergehenden globalen politischen Diskussionen könnten sich jedoch als Katalysator fĂŒr lĂ€ngerfristige Trends erweisen. Beispielsweise könnte die EuropĂ€ischen Union mit ihrer Zusage, die Verteidigungsausgaben zu erhöhen, ihre Wirtschaft in den kommenden Jahren ankurbeln und den Grundstein fĂŒr lĂ€ngerfristiges ProduktivitĂ€tswachstum legen. In China wird es vor allem darauf ankommen, ob der Ăbergang von einer export- und investitionsabhĂ€ngigen zu einer konsumorientierten Wirtschaft gelingt. Und in den USA rĂŒckt Haushaltsdisziplin zunehmend in den Fokus: Ob durch Zölle, Wachstum oder andere Mittel, die USA mĂŒssen ihr Haushaltsdefizit auf ein nachhaltiges Niveau drĂŒcken.
Die höheren Zinsen werden bleiben
Im Jahresausblick 2025 haben die Experten erlĂ€utert, dass die positiven Realzinsen bleiben werden. Das bedeutet auch, dass der Neutralzinssatz â der theoretische Zinssatz, der Angebot und Nachfrage von Kapital im Gleichgewicht hĂ€lt â weit ĂŒber dem Vor-Pandemie-Niveau liegt. Kurzfristig dĂŒrfte die US-Inflation ĂŒber dem Zielwert der US-Notenbank Federal Reserve System (Fed) von 2 Prozent verharren, lĂ€ngerfristig ist jedoch vor allem das Haushaltsdefizit der USA von Bedeutung, das mit 6 bis 7 Prozent der Wirtschaftsleistung fĂŒr eine friedens- und rezessionsfreie Phase einmalig hoch ausfĂ€llt.
Dazu kommt: Der demografische Wandel dĂŒrfte die Schieflage in den kommenden Jahren noch verschlimmern. Wenn nichts geschieht, werden anhaltende Defizite zu einer Quelle von Ăbernachfrage und Inflationsdruck. Um ihr Ziel der PreisstabilitĂ€t zu erreichen, wird die Fed jedoch voraussichtlich bis auf Weiteres an höheren Realzinsen festhalten. Der Anleihemarkt hat dieses SpannungsverhĂ€ltnis bemerkt â und fordert höhere RisikoprĂ€mien. Der Begriff âBond Vigilantesâ könnte in Zukunft hĂ€ufiger zu hören sein.
Unternehmensanleihen werfen heute zwischen 5 und 6 Prozent ab â und damit so viel wie seit der globalen Finanzkrise im Jahr 2008 nicht mehr. FĂŒr Anleger sind vor allem zwei Punkte von Bedeutung: Erstens sind die Spreads trotz politischer Turbulenzen erstaunlich stabil geblieben, woran sich auch nichts Ă€ndern dĂŒrfte, sofern uns unerwartete Extremereignisse und Tail-Risiken erspart bleiben. Zweitens mĂŒssen sich Anleger womöglich von den Erwartungen aus der Vor-Pandemie-Zeit lösen, in der sinkende Zinsen zu Kursgewinnen fĂŒhrten. In den kommenden Jahren werden Renditen stattdessen vor allem aus ZinsertrĂ€gen bestehen, die Anleger zu guten Konditionen reinvestieren können.
An den AktienmÀrkten gewinnt Diversifizierung weiter an Bedeutung
Im Jahresausblick 2025 haben Fachleute auf die anhaltenden Divergenzen an den AktienmĂ€rkten hingewiesen, an denen eine Handvoll US-Unternehmen der âNew Economyâ ihre Gewinne jĂ€hrlich um etwa 20 Prozent steigern und die extrem teuer bewertet sind. Die ĂŒbrigen Unternehmen der âOld Economyâ aus den USA, aber auch aus anderen LĂ€ndern, weisen dagegen ein weniger beeindruckendes Gewinnwachstum aus, sind dafĂŒr jedoch auch weniger teuer bewertet. Dieses angespannte BewertungsverhĂ€ltnis hielt auch nach einem VolatilitĂ€tsschub im ersten Halbjahr an, in dem nicht nur die Gefahren hoher Bewertungen zutage traten, sondern auch deutlich wurde, dass US-Technologieunternehmen selbst in einem schwierigen Umfeld Gewinne erwirtschaften können.
Neben den Bewertungen spricht noch ein weiterer Aspekt fĂŒr eine globale Diversifizierung: Selbst wenn kĂŒnstliche Intelligenz die Wirtschaft grundlegend verĂ€ndert â was in den aktuellen Bewertungen implizit eingepreist ist â legen frĂŒhere technologische UmbrĂŒche den Schluss nahe, dass der Fortschritt nicht allein den Unternehmen nĂŒtzt, die die Infrastruktur bereitstellen. Die nĂ€chsten Gewinner im Rennen um kĂŒnstliche Intelligenz könnten Value-Unternehmen sein, die von den technologischen DurchbrĂŒchen profitieren und nicht die Wachstumsunternehmen, die die Technologie ĂŒberhaupt erst entwickelt haben. In den USA gehören die Eisenbahnen des 19. Jahrhunderts und die Technologie-, Medien- und Telekommunikationsunternehmen der Neunzigerjahre zu den markantesten Beispielen fĂŒr diese These.

wichtiger Hinweis zum Anlagekommentar 07/2025:
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Externe Quellen:
- Kategorie-Durchschnitte: monatliche Berechnung durch EDISOFT GmbH ĂŒber das Fondsuniversum der FVBS-Datenbank
- Zinsen (Festgeld, Sparbuch): monatliche Durchschnittswerte der Dt. Bundesbank aus Meldungen deutscher Kreditinstitute
- Inflation: monatliche Zahlen des Statistischen Bundesamts
- Goldpreis: offizieller Feinunzen-Preis/London
- Bereich âDie Zölle und die Folgen – Ein Blick in die Zukunft“ von Vanguard Group Europe GmbH
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